Arbeitsweise

Was iterflux bedeutet

iter heißt Weg und flux heißt Fluss. Struktur und Flexibilität. Was nach Wortspiel klingt, ist die Philosophie, nach der ich arbeite.

Julius Remes

4 Min. Lesezeit

Die Frage kommt in fast jedem Erstgespräch, meist zwischen zwei ernsteren Themen: Was heißt eigentlich iterflux? Ich erkläre es gern, denn der Name ist keine Erfindung aus einem Agentur-Workshop. Er ist die kürzeste Fassung dessen, wie ich arbeite – und wenn dir die Arbeitsweise nicht zusagt, weißt du das nach diesem Text, bevor wir telefoniert haben.

Die kurze Antwort

Wenn wenig Zeit ist, sage ich das hier:

iter ist der Weg, flux der Fluss. Zusammen: eine Reise im ständigen Wandel. Ich verbinde Struktur mit Flexibilität – eine klare Richtung, die sich unterwegs noch ändern lässt.

Beide Teile sind Latein. iter heißt der Weg, der Gang, die Reise; es klingt nach Iteration, den Durchlauf, der sich wiederholt. flux kommt von fluxus, dem Fließen – im Englischen steckt es in der Wendung in flux: in Bewegung, noch nicht festgelegt.

Der Rest dieses Textes ist die lange Antwort. Also: Was heißen Struktur und Flexibilität konkret, wenn jemand seinen Betrieb digitalisieren und automatisieren will?

iter: die Struktur

Struktur klingt nach Ordnerbäumen und Prozessdiagrammen. Gemeint ist etwas Einfacheres: eine Richtung, die in einzelnen Schritten gegangen wird.

Ein Schritt ist klein genug, wenn drei Dinge stimmen. Du siehst das Ergebnis in Tagen, nicht in Quartalen. Er betrifft einen Vorgang, nicht fünf. Und wenn er nicht funktioniert, drehst du ihn zurück, ohne dass der Betrieb stillsteht.

Das klingt bescheiden, ist aber der Grund, warum überhaupt etwas passiert. Ein halbes Jahr Projektlaufzeit heißt vor allem eins: ein halbes Jahr, in dem du nicht weißt, ob es wirkt. Und je länger diese Zeit dauert, desto teurer wird es, die Richtung noch zu ändern.

Dazu kommt ein Effekt, den ich immer wieder sehe: Der erste fertige Schritt verändert die Frage. Wer einmal erlebt hat, dass Bestellungen sauber hereinkommen, fragt anschließend nicht mehr „lohnt sich Digitalisierung", sondern „was ist als Nächstes dran". Das ist ein völlig anderes Gespräch.

Wie so eine Entscheidung im Einzelfall aussieht, habe ich im Logbuch zum Fanshop aufgeschrieben. Dort war der naheliegende Standard ein Zahlungsdienstleister – und der richtige Schritt ein anderer.

flux: die Flexibilität

Der zweite Teil ist der, den ich häufiger erklären muss. flux heißt nicht, dass ständig umgebaut wird. Es heißt, dass es sich umbauen lässt.

Prozesse ändern sich. Ein Verein bekommt einen neuen Sponsor, ein Betrieb eine zweite Baustelle, ein Preis steigt, eine Kollegin kommt dazu. Nichts davon ist ungewöhnlich – das ist der Normalfall. Wenn du für jede dieser Änderungen zum Telefon greifen musst, hast du keine Zeit gespart, sondern eine Abhängigkeit gebaut.

Deshalb gehört zu jeder Übergabe, dass du Preise, Texte, Produkte und Nutzer selbst änderst. Kein Wartungsvertrag als Voraussetzung, keine Agentur, die für jede neue Zeile eine Rechnung schreibt – sondern ein Zugang, den du ohne technisches Vorwissen bedienst.

Beim Fanshop der DJK SG Bösperde heißt das zum Beispiel: Produkte, Farben, Größen und Rabattaktionen pflegt der Vorstand selbst. Ich muss dafür nicht erreichbar sein, und das ist so gewollt.

Warum Struktur und Flexibilität einander brauchen

Die zwei Hälften halten sich gegenseitig im Gleichgewicht. Fehlt eine, kippt es.

Struktur ohne Flexibilität ist die große Branchenlösung: sauber geplant, vollständig eingeführt – und ein Jahr später passt sie nicht mehr zum Betrieb, weil niemand sie anfassen kann. Du hast dann keinen Prozess, sondern eine Vorgabe.

Flexibilität ohne Struktur ist der Zustand, in dem viele Digitalisierungsvorhaben jahrelang stecken bleiben: Es ist immer alles im Wandel und nie etwas fertig. Jedes Gespräch beginnt bei null.

Der Name ist also weniger Poesie als Bremse, und zwar in beide Richtungen.

Wo die Regel nicht trägt

Kleine Schritte sind nicht immer die Antwort, und das gehört zur Ehrlichkeit dazu.

Wenn ein Vorgang selten vorkommt, jedes Mal anders abläuft oder in absehbarer Zeit ohnehin wegfällt, lohnt sich das Automatisieren nicht. Der Aufwand ist derselbe, der Nutzen fehlt. Ich sage das im Erstgespräch, statt es trotzdem zu bauen.

Und manchmal hängt ein Schritt am nächsten. Eine Zeiterfassung ohne saubere Stammdaten liefert dir nur schneller unbrauchbare Zahlen. Dann ist der erste Schritt eben der langweilige, und ich sage dir vorher, dass er sich erst mit dem zweiten auszahlt.

Was das für deinen ersten Schritt heißt

Wenn du wissen willst, wo dein Schritt liegt, brauchst du keine Software-Demo, sondern eine Woche Strichliste: Was machst du mehrmals, und wie lange dauert es jedes Mal? Wie du daraus eine belastbare Zahl machst, steht in Digitalisierung im KMU: Wo anfangen.

Danach lautet die Frage nicht mehr, ob sich das lohnt, sondern welcher Vorgang als Erstes dran ist. Diese Frage kannst du selbst beantworten – und genau das ist der Punkt.

Wenn du dabei einen zweiten Blick möchtest: dreißig Minuten, unverbindlich, ohne Verkaufsdruck. Am Ende weißt du, wo du stehst, auch wenn wir danach nicht zusammenarbeiten.

Häufige Fragen

Was bedeutet der Name iterflux?

iterflux setzt sich aus zwei lateinischen Wörtern zusammen: iter heißt Weg oder Reise, fluxus heißt das Fließen. Der Name steht für die Verbindung aus Struktur und Flexibilität – eine klare Richtung, die sich unterwegs noch ändern lässt. Übertragen auf die Arbeit heißt das: Digitalisierung in einzelnen Schritten statt als einmaliges Großprojekt, und Lösungen, die änderbar bleiben.

Warum in kleinen Schritten statt in einem großen Projekt?

Weil du nach einem kleinen Schritt siehst, ob er wirkt, und ihn zurückdrehen kannst, wenn nicht. Ein großes Projekt zeigt sein Ergebnis erst am Ende, wenn Umsteuern teuer geworden ist. Nach meiner Erfahrung stecken ohnehin in wenigen wiederkehrenden Vorgängen die meisten Handgriffe – die reichen für den Anfang.

Was ist ein guter erster Schritt zur Automatisierung?

Der Vorgang, der mehrmals in der Woche anfällt und dabei immer gleich abläuft. Nicht der, über den sich alle beschweren – der ist meist selten und teuer im Gefühl, nicht in Stunden. Eine Woche Strichliste bringt dich näher an die Antwort als jede Software-Demo.

Wann lohnt sich Automatisierung nicht?

Wenn ein Vorgang selten vorkommt, jedes Mal anders abläuft oder in absehbarer Zeit ohnehin wegfällt. Dann kostet das Automatisieren mehr Zeit, als es je einspart. Ich sage das im Erstgespräch, statt es trotzdem zu bauen.

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